Setzt die Segel

Der erste Kurs unseres Schulungssystems schließt sich unmittelbar an die Gruppenphase in der Pfadfinderinnen- und Pfadfinderstufe an. Setzt die Segel richtet sich an alle 14- bis 15-Jährigen, die nach ihrer Zeit in der Gruppe neue Herausforderungen suchen. Ziel des Kurses ist, Verantwortung für sich und andere in der Gruppe zu übernehmen.

Setzt die Segel findet üblicherweise im Rahmen des jährlichen Sommerlagers in Norwegen statt. An eine einwöchige Gruppenwanderung schließt sich ein einwöchiger Kurs auf unserem Lagerplatz an.

Die Jugendlichen planen ihre Wanderung im Vorfeld selbstständig, wobei sie von einer erfahrenen Gruppenleitung betreut werden, die später auch an der Wanderung teilnimmt. Im anschließenden Kurs werden pfadfinderische Fertigkeiten erprobt und verbessert, beispielsweise die Orientierung mit Karte und Kompass, Knoten und Bünde oder Zeltbau. Auch die Geschichte des Pfadfindens und Spielepädagogik sind Inhalte des Kurses. Dabei achten wir darauf, dass dies nach dem pfadfinderischen Prinzip „Learning by doing“ geschieht.

Tagebuch des Kurses 2013

Was passiert eigentlich so bei Setzt die Segel? Die Kursgruppe aus 2013 hat dies in ihrem Tagebuch festgehalten.

Montag, 15. Juli

Heute Morgen nach dem Aufstehen und dem Waschen im Fjord gab es eine Andacht und wir frühstückten zusammen an unseren Tischen, die wir am Vortag selbst gebaut hatten. Nach einer Pause und dem Abwaschen versammelten wir uns in der Jurte und uns wurden die 10 Pfadigesetze, die Tracht und der Pfadfindergruß erklärt. Die meisten waren noch von gestern so müde, dass wir ein Spiel zum Wachwerden gespielt haben.

Nach dem Mittagessen ging das Programm auch schon weiter. Wir saßen unter dem Sonnensegel und haben gelernt, auf zwei verschiedene Arten ein Seil zu spleißen – das heißt, wenn das Seil aufgetrennt ist, die losen Enden wieder zu einem Seil zusammenzufügen. Danach packten wir unsere Taschen mit Besteck, einem Holzscheit und weiterem Material. Auf dem Weg nach Ula haben einige noch ein Eis gegessen und wir waren am Strand und haben auf den Felsen entspannt. Zum Abend hin gingen wir noch zu einer Höhle und haben dort Hotdogs zum Abendbrot gegessen. Nach ein paar Liedern ging es so um 22:00 Uhr wieder zurück zum Lagerplatz.

Dienstag, 16. Juli

Als wir uns wie jeden Morgen um ca. 7:10 Uhr auf den Weg zur Badestelle 2 machten, wurden wir dort etwas überrascht: Mehrere Boote hatten sich einfach bei uns an der Badestelle breitgemacht! So mussten wir den Weg zurück zur Badestelle 1 laufen…

In dem größten Teil unseres Programms ging es um verschiedene Techniken, die beim Pfadfinden hilfreich sind. Als erstes haben wir unsere Fähigkeiten, mit Karte und Kompass umzugehen, aufgefrischt und erweitert. Es drehte sich um Marschzahlen und das Anpeilen von Gegenständen. Zur Festigung der Orientierung hatte das Kursteam dann eine kleine Mini-Schnitzeljagd vorbereitet. Wir teilten uns in drei Gruppen auf. Jede Gruppe fand mithilfe des Kompasses eine Aufgabe, die es zu erledigen galt. Die einen gingen runter zur Straße, um Blumen für die Tischgruppen zu pflücken, die anderen bastelten Schmuck und Girlanden für das SG. Die dritte Gruppe schrieb und malte Unterhaltung für die Toiletten, wobei lustige Ideen entstanden sind.

Um den Mittag herum wurden uns verschiedene Zeltarten gezeigt, zum Beispiel der Hund und die Lokomotive. Dann ging es an die Praxis und unsere Gruppen, die Kattas und die Galagos, konnten sich selbst nach Belieben ein Zelt für eine Nacht bauen. Wir mussten eine Materialliste erstellen und dann nach eigener Planung alles aufbauen. Als wir fertig waren, haben wir dann auch am Abend in unseren Bauten geschlafen. Die Kattas hatten ein simples First-Zelt. Die Galagos schliefen in einem improvisierten Langzelt, was ziemlich interessant aussah und dem wir viele neu erfundene Namen geben konnten. Zum Abendessen gab es Nudeln mit Käse-Sahne-Soße und zum Nachtisch Panna Cotta mit Himbeersoße. Leider war der Nachtisch wegen der Wärme etwas flüssig, aber trotzdem sehr lecker. Insgesamt war es ein gelungener Tag!

Mittwoch, 17. Juli

Heute sind wir kurz nach dem Frühstück zum Farris gefahren, um der anderen Gruppe einen Weg mit Waldläuferzeichen zu legen. Das war lustig und hat Spaß gemacht, aber es gab auch viele Mücken. Wir haben versucht, die andere Gruppe auf falsche Fährten zu leiten, aber sie haben sich nicht beirren lassen und sind alle am Ziel angekommen. Wir haben ihnen auch einige Aufgaben gestellt, wie z. B. Spiele spielen und ein Quiz. Außerdem mussten beide Gruppen eine Gilwell-Skizze anfertigen, also einen Abschnitt des Weges aufzeichnen, wie bei einer Schatzkarte. Als wir angekommen waren, konnten wir zur Belohnung baden und uns ausruhen. Zum Glück war der Farris ziemlich warm, so hat das Baden noch mehr Spaß gemacht. Nachdem sich beide Gruppen abgekühlt hatten, mussten wir noch einen Schatz mit GPS-Geräten suchen, das hat am Anfang auf Grund von Komplikationen etwas länger gedauert. Letztendlich haben wir den Schatz doch noch gefunden: Ein Koffer voller Süßigkeiten, die wir beim anschließenden Lagerfeuer zusammen mit Chai gegessen haben. Dann sind wir spät am Abend wieder zurück zum Zeltplatz gefahren und haben uns in unsere Kohten verkrochen.

Donnerstag, 18. Juli

Heute durften wir etwas länger schlafen (bis um 8:00 Uhr), da wir gestern Abend (oder heute früh) erst sehr spät ins Bett gegangen sind. Der Lagerdienst, die Galagos, hat das Weckersignal überhört, so dass sich das Wecken zusätzlich um einige Minuten verzögert hat. Danach folgte der übliche Fjordgang. Um 9:30 Uhr gab es Frühstück, bevor das Programm mit einer Einleitung zum Thema „Erste Hilfe“ begann. Detlef erklärte uns zuerst verschiedene Verletzungen und ihre Behandlungsarten. Danach haben wir gelernt, mit Dreieckstüchern (z. B. Halstuch) verschiedene Verbände anzulegen. Detlef zeigte uns außerdem die stabile Seitenlage, die Schocklage und wie man mit einer Decke bzw. Vierecksbahn und zwei Holzstangen eine einfache Trage bauen kann. Wir bekamen ein Büchlein mit vielen Informationen zur Ersten Hilfe. Danach kam eine Einheit zum Thema Lebensmittelkalkulation und Nachhaltigkeit dran, wo wir lernten, Lebensmittel für ein Lager oder eine Fahrt zu kalkulieren.

Nach der Mittagspause gab es eine Einheit, in der wir den Aufbau von verschiedenen Feuerarten und den Umgang mit Feuer lernten. Danach hatten wir Zeit, die Feuerstellen an unseren Kochtischen fertig zu stellen und später das Abendessen darauf zuzubereiten. Es sollte Senfeier mit Kartoffeln geben. Das Kochen dauerte zwar sehr lange, aber wir konnten doch pünktlich essen. Beiden Gruppen ist es sehr gut gelungen und es hat allen geschmeckt. Später gab es die typische Tagesabschlussreflexion und eine weitere Geschichte aus einem Buch über Baden-Powell. Damit war das Programm für heute beendet.