Sommerlager in Norwegen

Die Geschichte unserer Sommerlager in Norwegen reicht zurück bis in das Jahr 1972, als sich Wolfsburger Pfadfinderinnen und Pfadfinder erstmals auf den Weg in den hohen Norden machten. Ihr Ziel: die kleine Insel Skougholmen im Viksfjord, die ganz in der Nähe unseres heutigen Lagerplatzes liegt. Die 51 Jungen und Mädchen erlebten drei unvergesslich schöne Wochen und waren so fasziniert von diesem Land, dass wir seitdem fast in jedem Jahr wiedergekommen sind.

Wie alles begann

Im Herbst 1971 besuchten einige unserer Gruppenleitungen eine Informationsveranstaltung zu einer Ferienmaßnahme, die von der Wolfsburger Jugendförderung in der norwegischen Stadt Sandefjord angeboten werden sollte. Spontan erkoren sie Norwegen zum Reiseziel für ihr nächstes Sommerlager. Doch zunächst musste dort ein Lagerplatz gefunden werden. Über einige Ecken hatten wir schließlich Erfolg. Mit Hilfe des Stadtjugendpflegers stellten wir Kontakt zu einem Mitarbeiter von Volkswagen her, der wiederum über seine Verbindungen zum Generalimporteur in Oslo den Vertragshändler in Larvik erreichte. Dieser kannte Erling Refsholt, den damaligen Leiter der Pfadfinderinnen und Pfadfinder vom Trupp 1. Larvik. Erling war bereit, uns die in Familienbesitz befindliche Insel Skogholmen im Viksfjord bei Larvik zur Verfügung zu stellen.

Im Rahmen der Vorbereitungen auf das Sommerlager 1972 kam es im April zur ersten Begegnung mit Erling Refsholt. Er zeigte uns den Lagerplatz, gab uns einige Tipps für das Programm und sagte uns Mithilfe bei der Organisation unseres Lagers zu. Vor dem Hintergrund der deutschen Verbrechen während der Belagerung Norwegens im 2. Weltkrieg war dieser erste Kontakt jedoch von Reserviertheit geprägt.

Das erste Sommerlager

Ende Juli 1972 trafen 51 Wolfsburger Pfadfinderinnen und Pfadfinder mit der Fähre in Larvik ein. In den drei Wochen unseres Lagers erlebten wir nicht nur die Vielseitigkeit des Landes und schöne Erlebnisse während unserer Aktivitäten, sondern auch die Hilfsbereitschaft und die Gastfreundlichkeit der Norweger. Wir bekamen häufig Besuch von Erling und anderen Leitungen vom Trupp 1. Larvik. Der Grundstein für eine bis heute bestehende Freundschaft war gelegt.

 

 

Der Gegenbesuch 1973

 

Im Sommer 1973 kam es zum Gegenbesuch in Wolfsburg. Eine Gruppe von 28 Jungen und Mädchen aus Larvik verlebte mit einer kleinen Gruppe Wolfsburger Pfadfinderinnen und Pfadfinder elf abwechslungsreiche Tage in Norddeutschland. Die vielen gemeinsamen Unternehmungen intensivierten die persönlichen Kontakte und stärkten das Vertrauen zueinander, insbesondere unter den Leitungen.

Sommerlager 1972 in Norwegen auf Skogholmen
1. Larvik zu Gast in Wolfsburg

„Das war der Anfang einer fantastisch guten Freundschaft“

Unter dem Titel „Pfadfinden verbindet“ entstand 1988 eine Dokumentation über unsere freundschaftliche Verbindung nach Norwegen. Erling Refsholt schilderte die Entstehung und Entwicklung damals mit folgenden Worten:

​​„Im Januar 1972 erhielt ich von einem Vertreter der Firma Naess Auto – VW-Vertragshändler in Larvik – eine für mich schwierige Frage: ‚Kannst du einer deutschen Pfadfindergruppe aus Wolfsburg einen Lagerplatz beschaffen?‘ Zuerst hatte ich Bedenken. Aber dann dachte ich, dass die Jugendlichen zu einer neuen Generation gehören, die für die Taten der vorhergehenden Generation nicht büßen sollte. Also – ich bot ihnen einen Lagerplatz im Viksfjord an. Das war der Anfang einer fantastisch guten Freundschaft zwischen deutschen und norwegischen Pfadfinderinnen und Pfadfindern.

Heute bin ich beeindruckt von der Planung und Durchführung ihrer verschiedenen Lager hier in Norwegen. Die deutschen Pfadfinderinnen und Pfadfinder sind ‚Norwegen-Freunde‘ geworden und haben viele Erlebnisse gehabt bei Wanderungen im Gebirge, bei Kanutouren auf Flüssen und Seen, bei Bootstouren längs der Küste und während der Skiferien im Winter. Vielleicht war es mühsam, aber die Erinnerungen vergessen sie nicht.

Es freute mich, als sie mit der Behindertenarbeit in Wolfsburg begannen. Dass die Pfadfinderinnen und Pfadfinder die geistig Berhinderten kennenlernen, sie umsorgen und Verantwortung übernehmen, ist von großer Bedeutung. Viele Menschen sind nie mit Behinderten zusammen gewesen. Sie fühlen sich anfangs unsicher und haben Berührungsängste.

Dass Behinderte aus ihrer Isolation herauskommen, Kameradschaft in einer Pfadfindergruppe erfahren und vieles gemeinsam erleben können, das sind Dinge, die man nicht beschreiben kann.

Ich bin sehr zufrieden mit meinem Entschluss von 1972, einen Lagerplatz zu besorgen. Die Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus Wolfsburg haben dieses Motto wirklich praktiziert: ‚Jugend überwindet Grenzen‘.“

Jubiläumsfeier 2012

Im Jahr 2012 haben wir unser 40-jähriges Sommerlager-Jubiläum gefeiert. Dazu hatten wir uns etwas Besonderes überlegt und alle ehemaligen Gruppenleitungen, die je an einem der Lager mitgewirkt hatten, nach Norwegen eingeladen. So feierten wir dieses Jubiläum mit über 160 Pfadis, Ehemaligen und Gästen, unter ihnen auch Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs.

40 Jahre Sommerlager in Norwegen VCP Wolfsburg

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